10.9.16

Ich glaube, ich kann nur nett!



     Ich wollte mal einen anderen Post schreiben. Sowas kolumnenartiges, so wie bei einem meiner derzeitigen Lieblingsblogs Weib and the City. Ich wollte einen Aspekt des Online-Lebens auf die Schippe nehmen und lächerlich machen. Und zwar wollte ich mal auflisten, wovon ich auf Instagram in Zukunft gerne weniger sehen würde. Dass mir die Ständige Präsenz von Kaffeetassen und Starbucks-Bechern, am besten noch in Kombination mit Schlafmangel-zu-Kaffeemenge-Verhältnisrechnungen auf die Nerven geht. Dass ich nichts dagegen habe, die Designertasche von Bloggerin XY ein-, zwei-, oder auch dreimal zu sehen, ich aber nicht jeden Tag ein neues Shelfie davon brauche. Dass ich Sonnenuntergänge zwar mag, ich aber gelangweilt bin von Accounts, auf denen kaum etwas anderes passiert, als dass jeden, wirklich jeden Abend, der Sonnenuntergang fotografiert wird.
     Über all das und noch mehr wollte ich herziehen. Aber dann fiel mir auf: 

Wenn mich das alles so stört, dann sollte ich vielleicht einfach aufhören den entsprechenden Leuten zu folgen, oder überhaupt so viel Zeit auf Instagram zu verbringen. Wäre mal ne Maßnahme. Außerdem: Da stecken ja überall Leute dahinter, die das, was sie da machen, ganz toll finden! Da muss ich nicht kommen und Negativität verbreiten.
     Also war es mal wieder nichts mit der tollen, geistreichen Kolumne. Und ich glaube das geht mir mit vielen Themen so. Um in einem bestimmten Stil gut schreiben zu können, muss man sehr klare Meinungen haben, und sich so richtig schön aufregen können. Bei anderen bewundere ich sowas als "tollen Schreibstil" (außer wenn es ZU extrem und ätzend wird), aber ich habe festgestellt: Für mich ist das nichts.
     Vielleicht hat das was damit zu tun, dass ich zu manchen Themen erstmal überhaupt keine Meinung habe, und bei sehr vielen Dingen eine mittlere Position einnehme: Von Politik über Fleischessen, bis hin zum Thema High-Heels vs. flache Schuhe kann ich oft beide Seiten verstehen und gegen beide Seiten argumentieren. Aber wenn man am liebsten ausgleicht und die allermittelste Mittelposition einnimmt, liefert das nicht unbedingt Material für spannende Texte.
     Natürlich habe auch ich schon das ein- oder andere Mal mit Wut im Bauch gebloggt, aber dabei kommen bei mir oft leider keine besonders geistreichen Texte, sondern nur entsetzliche Jammer-Posts heraus. Und wenn ich mich doch mal vorsichtig in den Bereich des Auf-die-Schippe-Nehmens vorwage, so wie hier, erkenne ich später an den Kommentaren, dass den Lesern anscheinend nicht richtig klar geworden ist, worum es mir ging... Selbst bei der einfachsten und sichersten Form, sich lustig zu machen, nämlich über sich selbst, bin ich mir nicht sicher, ob der Humor rüberkommt, wenn ich das tue.
     Na gut, dann schreibe ich eben nett! Und positiv. Und klar. Und sachlich. Und nicht ironisch.......
......Und in jeder Art, die mir sonst noch einfällt, denn irgendwann... irgendwann werde ich das mit der geistreichen Kolumne bestimmt, wieder besseres Wissen, nochmal versuchen... ;-)
Habt ein schönes Wochenende, ihr Lieben!

ENGLISH:
     So... I wanted to do a different kind of post for once. Something like a column, like some of my favourite bloggers do. I was going to take an aspect of online life and poke fun at it.
Namely I was going to list all the things I would like to see less of on Instagram: The daily coffeemugs and Starbucks cups with the generic I'm-so-tired-captions. The bloggers who find it neccessary to post shelfies of the same designer handbag over and over again. The accounts that take pictures of the sunset every night (I like sunsets, but how boring can an account get?)...
     I wanted to make fun of all of this and more, but then I thought: Well if these things annoy me so much, then why do I keep following these people? Why do I even spend so much time on Instagram? Also: Behind every less-than-perfect account there are people like you and me, who love what they are doing and think that it is great. - So who am I to make fun of them and spread negativity?
     So, there went my witty, intelligent column up in smoke. Again. Because I feel that this happens to me with a lot of topics. In order to do a certain style of writing, you need to have strong opinions. And you need to be able to get angry in writing, but in a funny way. If this witty-ironic way of making fun of things and people is done well (and not too mean!) I love it and I praise people who can do it for their great writing style, but apparently it is not something I can do.
     Maybe this has to do with the fact that on some topics I don't have any opinion at all and on most I take a middle position. From politics to eating meat to the very important question of high-heels vs. flats - I can often understand both sides but can also find arguments against both. Wich I think is quite sensible, but if that is my favourite stance on any subject, it does not make for gripping texts!
    Of course there have been times when I, too, did a post while I was in a bad, angry mood - but these posts usually end up being unbearably whiny as opposed to witty. And when I do try to be ironic and make fun of something ever so slightly, like in this post, I know afterwards from the comments that I failed to get my point across.... Even the safest and nicest way of poking fun at something, namely when you poke fun at yourself - I'm not sure the humor comes across in writing, when I do that!
     Oh well I guess then I'll just write nice things. Positive things. In a clear and unironic and unmistakable style.
....and anything I want, because I'm sure at some point I'm going to try the column thing again, even if I'm not good at it... ;-)
Have a great weekend!

5 comments:

  1. Hallo T, ja das kann ich auch total nachvollziehen. so gern ich sowas lese, ich kann das auch nicht. Bist Du evtl. Waage von Sternzeichen? :)
    Ich nehm meist eher mich auf die Schippe, das passt dann besser.
    Liebe Grüße Tina

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    1. Nein, Krebs, aber die kommen gleich an zweiter Stelle in Sachen Harmoniebedürfnis ;-) (Wenn man an sowas glaubt.)

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  2. Ich find das hast du trotzdem anderen Plan jetzt aber sehr gut geschrieben und ich setz auch immer bei mir an. Wenn es mir nicht gefällt dann muss ich es ja nicht angucken, aber mich doch auch nicht aufregen. Ich mag zB gern Katzen sehen und ich kenne 10 Leute die das hassen. Aber da lächle ich immer und sag, wann scroll halt drüber :D
    Liebe Grüße Ela

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  3. Machst du schon ganz richtig so. Mit Sachen, die einen nerven, sollte man sich nicht beschäftigen. Darum kann ich meine "Giftbratzen"-Texte auch nicht richtig ausweiten. Manchmal platzt mir zwar der Kragen (meist bei Dingen, denenn ich nicht aus dem Weg gehen kann oder es zu spät getan habe), aber das passiert nie wirklich mit System. Und das müsste man wohl können, wenn man z.B. so wie Ildikó von Kürthy, deren Schreibe ich sehr schätze, durch die Gegend ziehen möchte. Und außerdem geht's mir wie Tina: Ich ziehe am liebsten mich selbst durch den Kakao. Denn wie du sagst: Die, die's machen, werden sich was dabei denken. Und ich muss weder alles mögen noch alles verstehen. ;)

    Lieben Gruß!

    P.S: Und danke für das Lob! ;)

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    1. Bitte, bitte ;-)

      Naja, wenn du dich in einem Post über was aufregst, dann im unterhaltsamen Ton und das kann nicht jeder!

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